Viele Wege führen nach Rom…

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Bevor ich nun weiter ins Detail gehe und Euch an Fietes Werdegang teilhaben lasse, liegt mir noch eines am Herzen: Ich beanspruche keineswegs, der einzige Mensch mit dem einen Patentrezept zum Thema Trageerschöpfung (oder vielmehr dagegen) zu sein.

An jedem Tag in der Arbeit mit den Pferden schärft sich mein Blick weiter. Es ist ein permanenter Austausch, ein Versuch, immer wieder über den Tellerrand zu schauen. Zu behaupten, man sei Experte für Dieses oder Jenes und habe alles dazu Wichtige gelernt, führt meiner Ansicht nach zum Stillstand. Insofern möchte auch ich noch Vieles lernen und besser begreifen.

Auch in der Arbeit mit Fiete werden Fehler passieren. Es wird Dinge geben, die ich beim nächsten Mal anders machen oder nicht wiederholen werde, um zu schnelleren oder nachhaltigeren Erfolgen zu kommen. Genauso wird es Menschen geben, die ihren Fokus auf ganz andere Dinge gelegt hätten. Richtig so, denn viele Wege führen nach Rom.

Trotzdem möchte ich Euch kurz zeigen, wie ich mir unseren Weg vorstelle:

  • Zu allererst braucht ein Pferd wie Fiete Führungskompetenz (jedes andere auch, aber er derzeit besonders dringend). Das bedeutet: ich versuche, jeder Zeit klar lesbar für mein Pferd zu sein. Fragen werden immer gleich beantwortet. Emotionen wie Wut oder Aggression gibt es nicht. Faire Konsequenz ist stets für ihn abrufbar. Meine Körpersprache ist eindeutig. Das hört sich erst einmal sehr banal an. Ist es auch, aber wichtig. Fiete ist förmlich ein Schwamm für diese Themen. Beachte ich sie, schließt er sich mir mental ausgeglichen an. Missachte ich sie, habe ich ein aufgescheuchtes Huhn um mich herum.
  • Über Faszienarbeit mit einem hierfür konzipierten Rad detonisiere ich verspannte Muskelareale und bringe dem Pferd die Muster bei, die es später braucht, um einen Reiter zu tragen – bereits im Stand und im Stall.
  • Mit Hilfe des Horse Bodyforming mache ich die oben angesprochenen Muster in Bewegung abrufbar. So schaffe ich den Übertrag vom Stand in den Gang.
  • Parallel biete ich Fiete viel Abwechslung: Training am Hang, Spaziergänge durch’s Unterholz, Freispringen.
  • Für ein gutes Ergebnis ist eine gute Basis wichtig. Fiete steht in einem sauberen Stall mit gutem Futter. Die Abläufe sind immer die Selben, tägliche Routine schafft Ruhe und Entspannung. Ganzjähriger Weidegang in einer ausgeglichenen Herde mit gleichgesinnten Spielkameraden sorgt für ein zufriedenes Pferd. Noch zu erwähnen sind der sehr regelmäßige Besuch des Hufschmiedes, das passende Equipment, der passende Sattel…
Birte Heinsen mit Pferd an Leine auf Pferdeplatz

Erst, wenn die zuvor aufgeführten Punkte zu einem Pferd geführt haben, welches sich in allen drei Grundgangarten auf beiden Händen stabilisiert und gleichmäßig bewegen kann, werde ich Fiete wieder reiten. Wie lange das dauert? Ich weiß es nicht. Sicher ist aber: Das Pferd trägt die Uhr.

Veröffentlicht am: 01.01.2019